St. Peter-Ording, 25. September 2026. Trockenperioden und Niedrigwasser auf der einen, Starkregen und Hochwasser auf der anderen Seite: Die Wasserwirtschaft muss sich zunehmend auf extreme und wechselnde Bedingungen einstellen. Gleichzeitig gilt es, eine sichere Trinkwasserversorgung und Abwasserbeseitigung dauerhaft zu gewährleisten, Wasserressourcen zu schützen und die notwendige Infrastruktur zukunftsfähig aufzustellen. Diese Herausforderungen standen im Mittelpunkt der Jahrestagung des Deutschen Bundes der verbandlichen Wasserwirtschaft e. V. (DBVW) vom 23. bis 25. September 2026 in St. Peter-Ording.

Fachleute aus der verbandlichen Wasserwirtschaft diskutierten aktuelle Entwicklungen und Lösungsansätze. Im Fokus standen die Sicherung der Wasserressourcen und der wasserwirtschaftlichen Infrastruktur ebenso wie Küsten- und Hochwasserschutz, Wasserrückhalt, Landschaftswasserhaushalt, Niedrigwasser, Bewässerung und Gewässerunterhaltung.

Gedenken an Turgut Pencereci

Einen besonderen Moment der Jahrestagung bildete das Gedenken an Turgut Pencereci, der am 25. Juli 2026 verstorben ist. Mit ihm verliert die verbandliche Wasserwirtschaft eine Persönlichkeit, die sich über Jahrzehnte mit großer fachlicher Kompetenz und außergewöhnlichem Engagement für ihre Belange eingesetzt hat.

Als Landesgeschäftsführer in Brandenburg und langjähriger Mitgeschäftsführer des DBVW hat Turgut Pencereci die Arbeit und Entwicklung der verbandlichen Wasserwirtschaft maßgeblich mitgeprägt. Geschätzt wurden insbesondere seine Verlässlichkeit, seine Zugewandtheit und seine Fähigkeit, Menschen zusammenzubringen, unterschiedliche Sichtweisen zu verbinden und praxisnahe Lösungen zu entwickeln.

DBVW-Präsident Franz-Xaver Kunert würdigte seinen langjährigen Wegbegleiter:

„Mit Turgut Pencereci verlieren wir nicht nur einen herausragenden Fachmann der verbandlichen Wasserwirtschaft, sondern auch einen langjährigen Wegbegleiter, dessen Rat, Verlässlichkeit und Menschlichkeit ich persönlich sehr geschätzt habe. Turgut verstand es, Menschen zusammenzubringen, unterschiedliche Sichtweisen zu verbinden und dabei stets das gemeinsame Ziel im Blick zu behalten. Sein Engagement und seine Verbundenheit mit der Wasserwirtschaft werden uns fehlen. Wir werden ihm ein ehrendes und dankbares Andenken bewahren.“

Die Gedanken des DBVW sind bei seiner Familie und seinen Angehörigen.

Trinkwasser und Abwasser zukunftsfest aufstellen

Eine sichere und nachhaltige Trinkwasserversorgung und Abwasserbeseitigung gehören zu den zentralen Aufgaben der Daseinsvorsorge. Um sie langfristig gewährleisten zu können, braucht es ausreichend verfügbare und qualitativ hochwertige Wasserressourcen sowie leistungsfähige und resiliente Infrastrukturen.

Der vorsorgende Grundwasserschutz spielt dabei eine ebenso wichtige Rolle wie der Umgang mit Nitrat, Pflanzenschutzmitteln, PFAS und weiteren Spurenstoffen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an die Abwasserbehandlung, den Ressourcenschutz und die Sicherheit der kritischen wasserwirtschaftlichen Infrastruktur.

Gerade unter veränderten klimatischen Bedingungen müssen Wassermenge und Wasserqualität stärker gemeinsam gedacht werden. Eine langfristig sichere Trinkwasserversorgung braucht geschützte Ressourcen und verlässliche Rahmenbedingungen. Auch die Abwasserbeseitigung muss den wachsenden Anforderungen an Gewässer-, Klima- und Ressourcenschutz gerecht werden.

Wasser vorausschauend bewirtschaften

Die Jahrestagung zeigte, dass Wasserrückhalt und Speicherung, Grundwasserneubildung, Bewässerung sowie Hochwasser- und Starkregenvorsorge stärker zusammengedacht werden müssen. Das extreme Niedrigwasser am Rhein im Sommer 2026 verdeutlichte, wie unmittelbar sich veränderte Wasserverhältnisse auf die Praxis auswirken können.

Gleichzeitig gewinnen Maßnahmen zur Verbesserung des Landschaftswasserhaushalts, zur Stabilisierung der Grundwasservorkommen und zum gezielten Wasserrückhalt in der Fläche an Bedeutung.

Küstenschutz und Niederungen an den Klimawandel anpassen

Der Küstenschutz bildete einen weiteren wichtigen fachlichen Schwerpunkt der Jahrestagung. Im Mittelpunkt standen aktuelle Anforderungen an den Küstenschutz, die Frage, wie es „hinterm Klimadeich“ weitergeht, sowie die besonderen wasserwirtschaftlichen Herausforderungen in Niederungsgebieten.

Dabei wurde deutlich, dass Klimaanpassung nicht am Deich endet. Küstenschutz und die wasserwirtschaftliche Bewirtschaftung der dahinterliegenden Niederungen müssen eng zusammengedacht werden. Leistungsfähige wasserwirtschaftliche Strukturen sind eine wichtige Grundlage, um den wachsenden Herausforderungen in Küsten- und Niederungsgebieten zu begegnen.

Gewässerunterhaltung und Naturschutz zusammendenken

Auch die Anforderungen an eine moderne Gewässerunterhaltung standen im Fokus. Wasserwirtschaftliche Erfordernisse, Klimaanpassung und Artenschutz müssen miteinander verbunden werden. Dafür braucht es praxistaugliche rechtliche Rahmenbedingungen, die der Gewässerunterhaltung als öffentlich-rechtlicher Aufgabe angemessen Rechnung tragen.

DBVW zukunftssicher aufgestellt

Auch personell hat der DBVW die Weichen für die Zukunft gestellt. Godehard Hennies tritt zum 31. Dezember 2026 nach fast 25 Jahren als Geschäftsführer des Wasserverbandstages in den Ruhestand. Die Geschäftsführung des DBVW übernimmt Dr. Björn Hoppenstedt. Dörte Burg übernimmt die Funktion der stellvertretenden Geschäftsführerin. Damit setzt der DBVW auf einen geordneten Übergang und auf Kontinuität für die kommenden Aufgaben.

Gemeinsam für mehr Wasserresilienz

Wie Präsident Kunert abschließend zusammenfasst machte die Jahrestagung deutlich:

„Eine resiliente Wasserwirtschaft braucht integriertes Wassermanagement, sichere Trinkwasser- und Abwasserinfrastrukturen, wirksamen Küsten- und Hochwasserschutz, regionale Zusammenarbeit und langfristige Planungssicherheit. Die verbandliche Wasserwirtschaft verbindet Fachkompetenz mit regionaler Erfahrung. Ihr Aufgabenspektrum reicht von Trinkwasserversorgung und Abwasserbeseitigung über Gewässerunterhaltung und Wasserrückhalt bis zum Hochwasser- und Küstenschutz sowie zur gemeinschaftlichen Bewässerung. Wasserressourcen zu schützen, eine sichere Versorgung zu gewährleisten, Abwasser nachhaltig zu behandeln und gleichzeitig auf Trockenheit, Starkregen, Hochwasser und die besonderen Anforderungen der Küsten- und Niederungsgebiete reagieren zu können, ist eine gemeinsame Zukunftsaufgabe. Dafür braucht die Wasserwirtschaft verlässliche rechtliche und finanzielle Rahmenbedingungen sowie langfristige Investitions- und Planungssicherheit.“

Den Beitrag des DBVW finden Sie auch hier!